Feministischer Porno

Da es ja bei meinem letzten Post zum Thema schon Diskussionen darüber gab, ob es so etwas überhaupt eben kann und ich auch ein paar Mal gefragt wurde, was das überhaupt sein kann, wollte ich dazu mal etwas schreiben. Das die Links in diesem Post zu expliziten Darstellungen führen können, ist irgendwie logisch, sicherheitshalber schreibe ich es aber noch🙂. Also, wer leicht schockiert ist, lieber erst einmal nicht klicken🙂. Vielleicht erst einmal eine Definition von mir: Feministischer Porno ist Porno, der weibliche Sexualität und Lust realistisch zeigen will und dabei von dem Schema Männer=Subjekte, Frauen=Objekte und generell dem male gaze weg will. Außerdem sind gute Arbeitsbedingungen für die Darstellenden wichtig, wie z.B. dass sie nur Dinge tun, mit denen sie einverstanden sind und die safer-sex-Ausrüstung benutzen können, die ihnen wichtig ist. Er richtet sich nicht ausschließlich an Frauen, sondern an alle Geschlechter – hat aber eben auch nicht ausschließlich Männer als imaginiertes Zielpublikum, wie es bei Mainstream-Porno oft der Fall ist. Ziel ist oft, ein Gegengewicht zu den oft eindimensionalen und Frauen objektifizierenden Darstellungen des Mainstream-Pornos zu bilden, und weiblicher Sexualität eine größere Sichtbarkeit zu verschaffen. Und jetzt will ich hauptsächlich Beispiele oder Gedanken anderer nennen. Dabei wird relativ viel auf Englisch sein, eine Entschuldigung an die, die das nicht so gut lesen können. Aber mindestens bei den Beispielen wird Sprache ja nicht die Hauptsache sein🙂. Zu einigen Sachen aus dem deutschsprachigen Raum habe ich ja schon einmal etwas geschrieben.

Definitionen

Hier ein paar Beschreibungen, wie ich sie im Internet gefunden habe:

Wettbewerbe

Es gibt mehrere Wettbewerbe für feministischen Porno. Die können aus mehreren Gründen interessant sein, zum Einen, weil die prämierten Filme gute Beispiele sein können, und zum Andern, weil die Wettbewerbe meistens Richtlinien aufstellen, was als feministischer Porno gelten soll, was noch einmal gute  Hinweise gibt.

  • Im deutschsprachigen Raum wurde auch als Antwort auf die PorNo!-Kampagne der PorYes-Award ins Leben gerufen. Er wird alle zwei Jahre verliehen (dieses Jahr (2015) wieder) und es gibt auch ein interessantes Rahmenprogramm mit Podiumsdiskussionen, Party etc.
  • Das Pornfilmfestival Berlin ist nicht per se feministisch, hat aber eine breite Palette an Filmen, inklusive vielen Filmen von Frauen. Ich war letztes Mal zu ein paar Veranstaltungen und habe mich sehr wohlgefühlt, was mir auf einer männerdominierten Veranstaltung nicht passiert wäre.
  • In Toronto gibt es die Feminist Porn Awards, vom frauenorientierten Sexshop Good For Her.
  • Beim letzten Porn Film Festival in Berlin hat sich das feministische Pornofilmfestival Muestra Marrana aus Barcelona vorgestellt. Es richtet sich hauptsächlich an den spanischsprachigen Raum. Die vorgestellten Clips waren oft sehr lustig, bewegten sich zwischen Kunst, Porno und Humor hin und her.

Einige interessante Akteur_innen

Hier ein paar Menschen, die sich mit feministischem Porno beschäftigen. Die Liste ist natürlich nicht vollständig und total subjektiv, ich freue mich über Ergänzungen.

  • Annie Sprinkle (Wikipediaeigene Website) ist nach allem, was ich weiß, die Pionierin des feministischen Pornos, von der auch der oben zitierte Satz stammt. Jetzt beschäftigt sie sich mehr mit der Verbindung von Sexualität und Ökologie.
  • Es gibt ganz wenig Porno, der realistische transweibliche Sexualität zeigt. Tobi Hill-Meyer (imdbeigene Website) ist hier eine Pionierin, mit den zwei Filmen Doing it Ourselves und Doing it Again in Depth.
  • Courtney Trouble (Wikipediaeigene Website) macht vor allem queeren Porno und versucht, damit auch im Mainstream-Markt unterzukommen. Sie hat eine eigene Produktionsfirma und einen eigenen Vertrieb. Ihr letzter Film, Fucking Mystic hat eine Transfrau (Chelsea Poe, Autostraddle-Autor-Profileigene Website) als Hauptperson, was auch extrem selten ist.
  • Pink and White Productions (Wikipedia, eigene Website) ist vor allem durch die Crashpad Series (eigene Website) bekannt, die sehr diverse queere Sexualitäten zeigt und deren erster Film 2006 den Feminist Porn Award für die „Hottest Dyke Sex Scene“ bekommen hat.
  • Drew Devaux (eigene Website) hatte ihr Debut bei Doing it Ourselves, und konnte danach bei vielen Sachen mitmachen (z.B. bei den Crash Pad Series). Als operierte Transfrau (im Rahmen von Porno ist das ausnahmsweise mal tatsächlich eine relevante Information) ist das tatsächlich eine Besonderheit.
  • Jennifer Lyon Bell (imdb) mit ihrer Firma Blue Artichoke Films (eigene Website) „mischt Arthouse Cinema mit heißem expliziten Sex“ (von ihrer Website) und gibt auch Workshops über feministische Pornoproduktion (z.B. gab es einen am 07.03.2015 in Berlin), auch mit einem guten Einblick in die unterschiedlichen Weisen, wie feministische Pornos von Mainstream-Pornos abweichen können.
  • Erika Lust (Wikipediaeigene Website) bezeichnet ihre eigene Arbeit meines Wissens nicht als explizit feministisch, nennt es aber ethical porn.
  • Petra Joy (Wikipedia, eigene Website) „beschreibt ihr Genre als „art-core“, eine Form von Pornographie, bei der aus der „weiblichen Sicht“ gedreht wird, und bei der die Lust der Frau an sinnlichen, kreativen erotischen Spielen im Vordergrund steht.“ (Wikipedia). Da ich ihre Arbeit selber nicht kenne, schreibe ich nicht mehr dazu.
  • Morgana Muses (imdb, eigene Website) hat ihre Karriere mit über 50 angefangen und produziert Filme, in denen sie oft auch die Hauptrolle spielt.

Und jetzt noch ein paar schöne Beispielfilme🙂

  • Shortbus (Wikipedia, Trailer) mag ich, weil es eine schöne Geschichte hat und sehr unterschiedliche Sexualitäten zeigt.
  • Fucking Mystic habe ich ja oben schon angesprochen, muss ich nichts weiter dazu schreiben.
  •  Mommy is Coming (imdb, Trailer) finde ich interessante, weil es andere Spielarten von lesbischen Sex abseits vom stereotypen Kuschelsex zeigt und außerdem schönes queeres Berliner Lokalkolorit hat.
  • Shutter von Goodyn Greene (Trailer) ist auch ein queerer Porno aus Berlin, zu dem ich aber noch nicht viel sagen kann, weil ich ihn noch nicht gesehen habe.
  • Too Much Pussy! (Wikipedia, Trailer) ist eine Mischung aus Dokumentation über die Tour einer queeren Sex-Show und Porno. Ich mag die sex- und körperpositive Atmosphäre die der Film ausstrahlt.

Hier gäbe es noch viel zu nennen, aber jetzt ist erst einmal gut. Im dem Sinn, viel Spaß beim Gucken!

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Eine Antwort zu Feministischer Porno

  1. Jasmin schreibt:

    Wow, was für eine umfangreiche Recherche! Dankeschön, wie praktisch!🙂

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