Nachruf an Celestina

tina

Sophia Gubb hat einen Nachruf geschrieben, den ich aufgreifen möchte. Ihr Tod gilt als Selbstmord, aber es ist klar, dass sie an den Folgen von Transphobie/Transmisogynie gestorben ist. Mehr möchte ich aus Respekt vor ihrer Privatsphäre zu den Umständen nicht schreiben. Auf jeden Fall ist sie aber eine Gefallene des Krieges, von dem Sophia spricht.

Auch wenn hier niemand einen Krieg erklärt hat, und es auch keine Sieger_innen geben kann (oder vielleicht doch?) fühlt es sich wirklich häufig so an. Wie ich schon in meiner Rede zum IDAHIT 2015 gesagt habe, fühlen sich Treffen von Transmenschen zum Austauch über Diskriminierung oft wie Veteranentreffen an – mit dem Unterschied, dass der Kampf weitergeht, sobald wir den „sicheren Raum“ (falls er überhaupt sicher ist) verlassen und wieder unter Menschen sind. Jede öffentliche Toilette oder Umkleide, jede Begegnung mit Bierflaschengrölern, der Versuch ein Paket bei der Post abzuholen oder mit der EC-Karte zu bezahlen kann stressig werden, Job oder Wohnung hängen oft an einem seidenen Faden oder sind sowieso schon weg. Oft ist das Anstrengendste aber die alltägliche Reaktion der Menschen, die uns begegnen, die uns immer wieder, und von den allermeisten Menschen, signalisiert, dass wir indiskutabel sind, ein Witz, geisteskrank, nicht als Menschen ernst zu nehmen. Das umso mehr, falls wir weiblich sind, oder nicht passen, oder nicht weiß sind.

Leider gibt es praktisch keinen Fronturlaub von diesem Krieg, er passiert jeden Tag, überall kann ein Hinterhalt sein, 1 muss ständig auf der Hut sein. Das gilt natürlich nicht nur für Transphobie, sondern auch für andere Diskriminierungsformen, insbesondere für Rassismus. Ich glaube, Transmenschen können hier auch viel von den Supportstrukturen lernen, die PoC für sich aufgebaut haben.

Wie Sophia schon geschrieben hat, der Kampf geht weiter, der Kampf darum, dass alle Menschen Respekt verdient haben, unabhängig davon, ob ihr Gegenüber sie versteht oder nicht, der Kampf, den auch Tina, auch durch ihre unerschrockene Präsenz gekämpft hat.

Hier noch ein Andenken an die „offiziellen“ Gefallenen des Jahrs 2014:

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2 Antworten zu Nachruf an Celestina

  1. Charlie schreibt:

    Ich danke dir für diesen aufrüttelnden Text. Nachrichten wie diese lassen mich stets aufs Neue fassungslos, ohnmächtig und gleichzeitig so verdammt wütend zurück. Den Ausdruck ‚Krieg‘, den Sophia verwendet, finde ich dabei durchaus angebracht. Transfeindlichkeit tötet. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir uns gegenseitig supporten und empowern.

    Dir weiterhin alles Gute.

  2. Karin Blum schreibt:

    Liebe Tina! Ich komme hier immer mal wieder gerne vorbei. Aber auch mich machst die Situation von Menschen mit Transsexualität und Intersexualität frostklirrend und wütend. Liebe Grüße, Karin

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