Rede zum IDAHIT 2015 in Halle (Saale)

Dieses Jahr hatte die Rede beim IDAHIT Halle den Schwerpunkt Transphobie. Hier der Text der Rede:

Sehr geehrtes Publikum, liebe Mitwirkende,
am 17. Mai 1990 hat die Weltgesundheitsorganisation beschlossen, dass Homosexualität nicht mehr als Krankheit gilt. Seit 2005 wird dieser Tag jährlich als internationaler Tag gegen Homophobie begangen. Wir wollen den heutigen Tag ausdrücklich als Tag für die Anerkennung von Homosexualität, Intersexualität und Transsexualität nutzen, und gegen die Benachteiligung und Abwertung der davon betroffenen Menschen eintreten.
Menschen, die lesbisch, schwul oder bisexuell leben, gehören genauso zur Gesellschaft und ihnen stehen die gleichen Rechte zu. Wir positionieren uns klar gegen rückwärtsgewandte Ansichten, die dies in Frage stellen.
Im Gegensatzu zur Homosexualität wird Transsexualität weiterhin in den Diagnosekatalogen als Persönlichkeitsstörung geführt. Menschen müssen sich weiterhin entwürdigenden psychologischen Begutachtungen aussetzen, wenn sie ihr rechtliches Geschlecht korrigieren oder ihre geschlechtlichen Körpermerkmale anpassen lassen wollen.
Auch werden intersexuelle Kinder immer noch ohne medizinische Notwendigkeit operiert, nur damit sie in die Vorstellungen der Gesellschaft passen.
Wir Transmenschen begehen noch einen zweiten Tag zum Thema Transphobie, nämlich den Transgender Day of Remembrance am 20. November. Dort gedenken wir unserer Toten. Das ist wie ein Veteranentreffen oder ein Gedenken zum Totensonntag, mit einem Unterschied: wir gedenken immer der Toten die im letzten Jahr eines unnatürlichen Todes gestorben sind.
Jedes Jahr werden auf der Erde über 200 Menschen aus Transphobie umgebracht, die meisten von ihnen sind nicht-weiße Transfrauen. Und das sind nur die Fälle, über die eindeutig berichtet wurde. In den ersten Wochen dieses Jahres wurde durchschnittlich alle 29 Stunden eine Transfrau umgebracht, so dass eine Gruppe von Aktivist_innen die letzte Februarwoche dieses Jahr zur Bring-keine-Transfrau-um-Woche erklärt hatten.
Auch wenn in Deutschland in den letzten Jahren niemand umgebracht wurde, ist transphobe Gewalt doch auch hier an der Tagesordnung. Bei vielen Transmenschen ist die Angst vor transphoben Übergriffen und die entsprechende Vorsicht eine ständige Begleiterin. Dazu kommen häufige grenzüberschreitende Kommentare und Fragen, zum Beispiel nach dem Zustand der eigenen Genitalien.
Zusätzlich zu individueller Gewalt gibt es strukturelle Gewalt. Transmenschen sind sehr häufig von Arbeitsplatzverlust oder Mobbing am Arbeitsplatz betroffen, finden schwieriger eine Wohnung, müssen ihre Anwesenheit in Toiletten oder Umkleiden rechtfertigen oder bekommen nicht die medizinische Hilfe, die sie brauchen, weil Ärzt_innen mit ihrem Geschlecht überfordert sind.
Deswegen freuen sich viele Transmenschen über Unterstützung in solchen Situationen und deswegen wollen wir mit den fliegenden Luftballons und den daran gehängten Botschaften zeigen, dass wir diese und andere homo-, trans-, und interphobe Gewalt nicht dulden.

Noch ein paar Referenzen:

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