Privilegientest

Beim IDAHIT in Halle gab es einen Privilegientest, organisiert von que(e)r_einsteigen. Die Geschichte der Privilegientests ist lange, angefangen (meines Wissens) mit White Privilege: Unpacking the Invisible Knapsack, über The Male Privilege Checklist zu den 30+ Examples of Cisgender Privilege. Und es gibt auch so spezielle Sachen wie White Male Privilege in Punk Rock.

Leider gibt es auf deutsch praktisch gar nichts. die letzte genannte Liste wurde mal auf deutsch übersetzt, ich finde sie aber nicht online. Deswegen finde ich es gut, den Privilegientest noch einmal hier zu posten. Dieser Test berücksichtigt insbesondere, dass nicht alle Mitglieder einer Gruppe alle Privilegien gleich haben oder nicht haben, und verzichtet deswegen auf eine Zuordnung der Privilegien zu Gruppen. Weiße männliche, heterosexuelle gesunde Cismenschen aus der Mittelklasse mit gesichertem Aufenthaltsstatus in einem westlichen Land werden aber die meisten davon haben🙂.

Hier zuerst der Erklärungstext, der dazu zu lesen war:

Privilegientest – Erläuterung

Privilegien sind Vorrechte, die einzelnen Personen oder Personengruppen zugestanden werden. Dazu gehören nicht nur Sonderstellungen gegenüber der Mehrheit wie die Geburt in einem westlichen Land oder in einem gut situierten Familienhaus, sondern auch vorgebliche Eigenschaften der Mehrheitsgruppen selbst. Sie werden als selbstverständlich erlebt, organisieren die Verteilung von Chancen in der Gesellschaft, die Beteiligung am öffentlichen Leben, den Alltag und die zwischenmenschliche Kommunikation.

Solche Privilegien führen auch dazu, dass die Existenz und die Bedürfnisse von Menschen, die nicht zu vorgeblichen Mehrheitsgruppen gehören, nicht mitgedacht werden. Sie können direkt vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen (etwa wenn der Zugang für Rollstuhlfahrer_innen nicht barrierefrei ist), aber auch symbolisch als Ausnahmen abgestempelt und unsichtbar gemacht werden (z. B. durch ein Wort wie „hautfarben“, das sich nur auf helle Hautfarben bezieht).

Dieser Test stellt einen Versuch dar, auf die Merkmale Geschlecht, Geschlechtspräsentation und sexuelle Orientierung bezogene Privilegien sichtbar und bewusst zu machen. Er beinhaltet Alltagssituationen, mit denen Homo-, Bi, A-, Inter-, Transsexuelle und Genderqueere anders konfrontiert werden als andere Menschen, und lässt dabei bewusst offen, welche Gruppe ein bestimmtes Privileg nicht hat, da dies oft auf mehrere Gruppen und nicht immer auf alle Mitglieder einer Gruppe gleichermaßen zutrifft.

Mit Geschlechtspräsentation ist in diesem Test gemeint, mit den kulturellen Merkmalen (wie z.B. der Kleidung) welchen Geschlechts sich eine Person ihrer Umgebung gegenüber zeigt. Sexuelle Orientierung beschreibt, zu welchem/n Geschlecht(ern) sich eine Person sexuell hingezogen fühlt.

Und hier die Privilegienliste:

  1. Mein Name oder das Geschlecht auf meinen Papieren führt weder bei Kontrollen noch bei Auslandsreisen zu Diskussionen, Beleidigungen oder peinlichen Leibesvisitationen.
  2. Das Ausleben meiner Sexualität ist weltweit legal.
  3. Der Name auf meinen Papieren oder meine Geschlechtspräsentation verursachen keine Probleme bei der Bewerbung auf eine Arbeitsstelle.
  4. Für mein Geschlecht und meinen Familienstand gibt es in jedem Formular passende Kästchen zum Ankreuzen.
  5. Ich kann Kreditkarten oder Bankkarten verwenden ohne dass vermutet wird, dass ich sie gestohlen habe.
  6. Im Gefängnis würde ich mit Menschen meines eigenen Geschlechts untergebracht.
  7. Ich kann mich problemlos bei Dating-Portalen anmelden, eine Kontaktanzeige aufgeben, an Single-Veranstaltungen oder Paar-Reisen teilnehmen und in eine Tanzschule gehen.
  8. Im Geschichtsunterricht werden Menschen meines Geschlechts besprochen.
  9. Ich kann den Fernseher anstellen, die Zeitung aufschlagen oder ins Kino gehen und ich sehe Leute meiner sexuellen Orientierung, meines Geschlechts und meiner Geschlechtsdarstellung, die ausgiebig und in positivem Licht dargestellt werden.
  10. Ich kann mich angstfrei mit meinem_r Partner_in in der Öffentlichkeit bewegen.
  11. Meine Kinder wachsen mit Postern, Karten, Puppen, Spielzeug und Kinderbüchern auf, die Menschen meiner sexuellen Orientierung und Geschlechtsdarstellung in einem positiven Licht zeigen.
  12. Meine Kinder können in der Schule und der Freizeit unbefangen von ihrem Geschlecht und dem ihrer Eltern erzählen.
  13. Ich kann Gruppen beitreten oder Veranstaltungen besuchen, die ausschließlich von Menschen meiner eigenen sexuellen Orientierung besucht werden, ohne als radikal oder separatistisch zu gelten.
  14. Ich kann mir sicher sein, dass eine eventuelle Ablehnung meines_r Partner_in individuelle Gründe hat.
  15. Ich kann Literatur lesen und Filme schauen, in denen es ausschließlich um Menschen meiner eigenen sexuellen Orientierung geht, ohne deshalb als radikal oder separatistisch zu gelten.
  16. Die Existenz meiner sexuellen Orientierung oder meiner Geschlechtsidentität wird nicht infrage gestellt.
  17. Die Lernmaterialien in der Schule meiner Kinder bestätigen die Existenz meiner sexuellen Orientierung und meines Geschlechts und stellen sie in positivem Licht dar.
  18. Ich kann von meinem Privatleben erzählen, ohne dass das Geschlecht meiner_s Partner_in besondere Aufmerksamkeit erregt.
  19. Aufgrund meiner sexuellen Orientierung, meines Geschlechts oder meiner Geschlechtsdarstellung wird mir nicht die Fähigkeit abgesprochen, Kinder gut zu erziehen.
  20. Ich kann mich mit anderen über Feminismus unterhalten, ohne dass meine Genitalien dabei zum Thema werden.
  21. Mein_e Partner_in, ich und unsere gemeinsamen Kinder werden jederzeit als Familie angesehen. Wir bekommen ohne Probleme verbilligte Familienkarten und müssen nur sehr selten nachweisen, dass wir tatsächlich das Sorgerecht für unsere Kinder haben.
  22. Wenn ich mich vorstelle, werde ich nicht gefragt, was mein „richtiger“ Name ist.
  23. Meine Geschlechtspräsentation oder das Geschlecht meiner Partner_innen führt nicht dazu, dass meine Eltern mich enterben, aus dem Haus werfen oder dass ich wichtige Freund_innen verliere.
  24. Ich kann in Deutschland (relativ) problemlos ein Kind adoptieren oder eine Samenspende bekommen.
  25. Bei Einladungen mit Begleitung kann ich selbstverständlich davon ausgehen, dass die Einladung auch meinem_r Partner_in gilt.
  26. Ich kann meine Partner_innenschaft rechtlich absichern lassen und erhalte problemlos Zugang zu allen finanziellen Privilegien, die verheirateten Paaren zuerkannt werden.
  27. Die geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung meiner Kinder wird nicht auf meine eigene geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung zurückgeführt.
  28. Meine sexuelle Orientierung führt nicht dazu, dass mein Geschlecht infrage gestellt wird.
  29. Ich kann mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, ohne dass mir deswegen Pädophilie unterstellt würde.
  30. Ich kann problemlos Kleidung in meiner Größe kaufen, die zu meinem Geschlecht passt. Das gilt auch für Badebekleidung.
  31. Es gibt Toiletten, Umkleiden und Duschen, die ich ohne Probleme benutzen kann.
  32. Ich muss nicht darum kämpfen, dass Menschen die richtige Anrede und die richtigen Pronomen für mich verwenden.
  33. Menschen, die ich neu kennen lerne, fragen mich nie nach dem Vorhandensein oder Aussehen meiner Geschlechtsorgane.
  34. Ich kann mir beim Friseur die Haare schneiden lassen, ohne mit dem_r Friseur_in darüber diskutieren zu müssen, ob die von mir gewünschte Frisur zu männlich oder zu weiblich für mich ist.
  35. Mein Aussehen wird nicht als typisch für meine sexuelle Orientierung gewertet.
  36. Ich kann an Sportwettbewerben teilnehmen, ohne dass mein Geschlecht infrage gestellt wird.
  37. Ich brauche keine Angst zu haben, wegen meiner Geschlechtspräsentation beleidigt, ausgelacht oder angegriffen zu werden.
  38. Was ich über meine Krankengeschichte weiß, brauche ich nicht in Frage zu stellen.
  39. Passant_innen gehen nicht davon aus, dass ich Sexarbeiter_in bin.
  40. Ich kann ein Kind anlächeln, ohne dass die Eltern anfangen, mich dem Kind zu erklären.
  41. Ich muss nicht Angst vor Gewalt haben, falls meine Genitalien „entdeckt“ werden.
  42. Meine Geschlechtszugehörigkeit wird nicht aufgrund meines Körperbaus infrage gestellt.
  43. Ich kann unbefangen von meiner Kindheit und Jugend erzählen.
  44. Ich werde nicht regelmäßig gefragt, ob und wie ich Sex habe und mit wem.
  45. Es ist kein Problem, wenn mich Kolleg_innen oder Klient_innen mit meinem_r Partner_in oder in meiner Lieblingskleidung sehen.
  46. Ich kann mir sicher sein, dass meine Angaben zum Familienstand kein Einstellungshindernis sein werden.
  47. Keine Bestandteile meiner Identität werden als Geisteskrankheit angesehen.
  48. Meine Geschlechtsmerkmale sind kein Grund, weshalb mich Ärzt_innen schlecht oder gar nicht behandeln.
  49. Meine Geschlechtsmerkmale wurden noch nie als „korrekturbedürftig“ angesehen.
  50. Menschen glauben nicht, dass sie alles über mich wissen, weil sie eine medizinische Reportage im Fernsehen gesehen haben.
  51. Wenn ich jemand neues kennenlerne, kann ich davon ausgehen, dass die Person tatsächlich mich und nicht meine medizinischen Besonderheiten kennenlernen will.

 

 

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