Wut

Bei diesem tollen Workshop, ausgerichtet mit Materialien von Hollaback Berlin, ist ein Zine entstanden. Es war eine so kreative Atmosphäre, dass ich seit langem mal wieder zum Schreiben gekommen bin. Und dabei ist der folgende Text entstanden. Inhaltswarnung: männerhassende Gewaltphantasien. Und es ist mir wichtig, dass dies keine Aufforderung zur Gewalt ist, dass es mir aber wichtig war, meine Gefühlswelt bzgl. Street Harassment und Mackertum ungefiltert zu beschreiben, damit das auch mal wirklich ausgedrückt wird.

Wut

Wenn du wüsstest, wie oft du schon meine Fußspitze in deine Eier bekommen hättest, wenn es nach mir ginge. Ja, ich weiß, du glaubst, es wäre alles in Ordnung, du bist einfach wie du bist, aber deine Haltung drückt aus, dass du genau weißt, dass im Zweifel dir der Raum gehört und nicht mir, dass die Macht der ganzen versammelten dummen Macker im Zweifel hinter dir steht, und du glaubst, dass dir die Welt gehört, einfach nur wegen der zufälligen Tatsache, dass du im Stehen pinkeln kannst.

Und ich weiß, dass, wenn ich dir in einer anderen Situation gegenüber treten würde, wo du vielleicht gerade deinen Kumpels oder anderen Menschen meinst, deine Männlichkeit beweisen zu müssen, ich eine Lieblingszielscheibe für dich wäre oh guck mal, die Trans, Tunte, Tussi da drüben, mit der können wir unseren Spaß haben, für die wird sich niemand einsetzen, die ist sowieso bei allen unten durch, denn sowas geht ja schonmal gar nicht. Und deswegen will ich dir auch jetzt schon in die Eier treten, wo du nur ganz harmlos in der Gegend rumstehst und mit deinen Kumpels rummackerst.
Wie wäre es denn, wenn wir in einer Welt leben würden, in der es gegenseitigen Respekt gäbe, wo der Respekt vor Grenzen in der Grundschule gelehrt würde, und es nicht die Regel wäre, dass der (!) Stärkere gewinnt. Wo vielleicht gewinnen gar kein Ziel wäre, sondern möglichst gut zusammenleben. Dann hättest du keinen Spaß mehr, könntest dich nicht mehr profilieren, könntest nicht mehr versuchen, dich möglichst vielen Menschen aufzudrängen, zu schauen, wie weit du bei wem gehen kannst. Du wärst ein kleiner Wicht, denn du müsstest erst einmal lernen, dich auf andere Menschen einzulassen, versuchen, sie zu verstehen, eine Verbindung aufzubauen, statt nur selber möglichst cool dazustehen. Deswegen will ich dir in die Eier treten, weil ich weiß, dass Menschen wie du mit aller Kraft verhindern, dass die Welt sich in diese Richtung entwickelt.
Ich könnte den ganzen Tag schreien, ja, ich wäre hysterisch, noch ein Grund mich nicht ernst zu nehmen, und für mich wieder ein Grund mehr, zu schreien, denn ihr Typen seid wie eine Wand aus Gummi, gegen die ich anrennen kann und wo es dann nur heißt, „war da was?“. Zum Glück bin ich nicht allein, es gibt andere Menschen, die sehen, dass es da ein Problem gibt, es gibt Räume, in denen ein anderer Umgang miteinander ausprobiert wird, wo aufeinander geachtet wird, und es eine Rolle spielt, wenn es eine_r nicht gut geht, und so können wir Stück für Stück an dieser Allmacht kratzen, und sie ist ja auch nur eine Allmachtsphantasie, denn wir sind ja auch da, und leben und lieben und lassen uns nicht wegschieben.

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2 Antworten zu Wut

  1. Zara Paz 696 schreibt:

    Toller Text! Mir geht es oft genauso.

    Bin dadurch jetzt auch auf Hollaback aufmerksam geworden, auch dafür danke.

  2. Pingback: Alltägliche Übergriffe und Traumabearbeitung, die Suche geht weiter | wunder2welt

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