#aufschrei und wie weiter

Vor ein paar Tagen habe ich von http://alltagssexismus.de/ gelesen und wollte dazu etwas posten, aber die Mädchenmannschaft war schneller und besser. Viel habe ich zusätzlich zur Mädchenmannschaft nicht zu sagen, vielleicht noch folgendes:

Es gibt schon einige solche Übergriffserlebnis-Sammelseiten, mit leicht unterschiedlichem Fokus:

  • #aufschrei, der Twitter Tag, der aktuell hochgekocht ist. Hier gibt es eine leicht gefilterte Liste.
  • alltagssexismus.de, ein Blog, das moderiert Erlebnisse sammelt, und dabei Sexismus auch nicht allein betrachten will
  • Hollaback, eine Kampagne, die Menschen ermutigen möchte, sich gegen Street Harassment (gibt es das irgendwie auf deutsch) zu wehren, und zu diesem Zweck auch Übergriffserlebnisse sammelt, z.B. hier für Berlin.
  • #ichhabnichtangezeigt, bei der Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, sagen konnten, warum sie sie nicht angezeigt haben. Diese Kampagne wurde schon beendet, aber auch ziemlich ausführlich ausgewertet.
  • #transdocfail, bei der Erlebnisse von Transmenschen beim Arzt, die häufig sehr frustrierend sein können (binselber  bisher meistens von solchen Reaktionen von Ärzten verschont geblieben) gesammelt werden.
  • Und noch wtftransdating, mit Erlebnissen von Transmenschen bei der „Beziehungssuche“. Hier geht es nicht nur um Übergriffe, sondern auch generell um den Frust, den Transmenschen erleben, wenn sie mit Cismenschen (intime) Beziehungen eingehen wollen.

Mich würde interessieren, ob es auch solche Sammelseiten gibt, die sich mit anderen Diskriminierungsformen (z.B. Rassismus oder Ableismus) befassen. Auch finde ich es schade, dass es für den deutschsprachigen Raum nichts für Transphobie gibt – obwohl dies bei alltagssexismus.de schon seinen Platz hat. Unter Transmenschen erlebe ich oft eine Verleugnung oder Individualisierung des Problems (siehe z.B. hier), was aber einen eigenen Post wert ist.

Die Frage, die sich mir stellt, ist, was bringt das Ganze. Folgende Ideen habe ich:

  • Es vermittelt einer ein Gefühl von „ich bin nicht allein“, was schon etwas empowerndes sein kann. Irgendwann ist mir (allerdings in persönlichen Gesprächen) klar geworden, dass die Menge an transphoben Übergriffen (im weitesten Sinn), die ich erlebe, durchaus im Rahmen dessen ist, was Cisfrauen an sexistischen Situationen erleben und habe mich dadurch Teil einer größeren betroffenen Gruppe gefühlt und nicht mehr so stark als Einzelkämpferin.
  • Menschen, die von der entsprechenden Diskriminierungsform nicht betroffenen sind, kann durch die pure Masse der Erlebnisse, wie sie gesammelt werden, vielleicht klargemacht werden, dass hier ein wirkliches Problem besteht, auch wenn sie es vorher nicht wahrgenommen haben. Klappt natürlich nicht immer (derailing, victim blaming etc.)
  • Die Daten können in verschiedener Weise ausgewertet werden, wie z.B auf der Karte von Hollaback Berlin, der weltweiten Auswertung von Hollaback oder hier ausführlich von #ichhabnichtangezeigt. Bleibt wieder die Frage, was damit gemacht wird, #ichhabnichtangezeigt hat die Informationen wohl einigen Politikern gegeben, ob das etwas bewegt, keine Ahnung.
  • Zu den gesammelten Erlebnissen können weitere Informationen über Hilfsorganisationen, Protestformen, Workshops oder auch Tipps für den Umgang mit entsprechenden Situationen gepackt werden.
  • Vor allem Hollaback scheint auch das Ziel zu haben, dass Menschen aktiv mit einer Situation umgegangen sind, zurückgebrüllt oder sich irgendwie anders gewehrt haben. Das finde ich sehr hilfreich, es kann neue Ideen geben, wie ich mich in einer Situation wehren kann, oder auch Mut machen, eine bestimmte Art, mich zu wehren, doch mal zu versuchen, wenn sie bei jemand anderem geklappt hat.

So, das waren jetzt mal meine Gedanken dazu, wollte das mal alles zusammenstellen. Ich freue mich über weitere Gedanken!

[Update, 01.02.2013:] Lena Schimmel hat ein Projekt gestartet, um die Tweets von #aufschrei statistisch zu analysieren und sucht auch noch Mitstreitende.

Und ich habe noch einmal darüber nachgedacht, warum ich ein paar Erlebnisse bei alltagssexismus.de gepostet habe: ich glaube, es tut mir gut, meinem Ärger über die Erlebnisse Luft zu machen und solche Erlebnisse öffentlich zu machen. Und die Freischaltung war auch eine Bestätigung, dass es sich tatsächlich um Übergriffe handelt, auch wenn sich ja um transphobe (bzw. transmisogyne) und nicht so sehr klassisch sexistische Erlebnisse handelt, Irgendwie verpufft der Effekt dann aber, wenn sie mit den im Minutentakt eintrudelnden Meldunge wegscrollen.

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2 Antworten zu #aufschrei und wie weiter

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